André Cohnen
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Human
Project type
Oil on canvas. 50 x 50 cm
Date
2025
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Dieses Bild ist – wie viele meiner Arbeiten – mit einem Song im Hintergrund entstanden: Brandi Carliles Human. Licht flutet in die Küche, rutscht durch schiefe Jalousien, sammelt sich auf der Arbeitsplatte, bleibt an Glas, Kram und Papier hängen – weich, hartnäckig und ein bisschen gnadenlos.
Sie stützt sich auf die Platte, der Rücken rund, der Kopf gesenkt. Nicht kaputt, aber festgehalten – in einem Moment zwischen dem, was gerade war, und dem, was als Nächstes kommt. Wir wissen nicht, was beides ist; das Bild lässt die Frage offen und lädt ein, die Lücke selbst zu füllen – und vielleicht auch dazu, die eigene Situation darin zu erkennen. Mir ging es vor allem darum, das Gewicht dieser Pause zu zeigen: ein angehaltener Atem mitten am Tag.
Der Raum ist nicht völlig im durcheinander, aber von Ruhe kann keine Rede sein. Die Farbpalette ist eher kühl – staubige Blautöne, Grau – mit gerade genug Wärme im Licht, um zu ahnen, dass draußen die Welt weiterläuft. In Carliles Song gibt es die Zeile: „I just want to feel my face in the sun.“ Aber die Frau hier dreht sich nicht einmal in Richtung Licht. Die Pinselstriche bleiben locker, unruhig, geschichtet wie ihr Tag. Es geht nicht um großes Drama oder Spektakel; es geht um diese Stille direkt nach etwas und kurz vor etwas anderem – die Art von Stille, für die man mehr Kraft braucht als für jede Bewegung.
Das eigentliche Zentrum des Bildes ist für mich aber ihre Hand – die nähere, die sich am Rand der Arbeitsplatte festklammert, mit mehr Sorgfalt und Spannung gemalt als alles andere in der Szene. Diese Hand soll sprechen.
Sagen: Ich bin noch da. Gib mir nur eine Sekunde.
Nicht zusammenbrechen. Nicht einfach weitermachen. Erst mal stehen bleiben – lang genug, um es wirklich zu fühlen.
Was für mich bleiben soll, ist nicht das Chaos im Raum, sondern ihre Sturheit, aufrecht zu bleiben. Sie ist keine Heilige, keine Heldin, sondern einfach zutiefst menschlich – gehalten von einer Arbeitsplatte und dem letzten Rest Willenskraft. In diesem Bild ist das Alltägliche nicht Hintergrund, sondern das eigentliche Schlachtfeld. Und für einen Moment, in diesem schrägen Licht, dürfen wir es sehen
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